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Altstadthäuser

Thesenpapier zur Innenstadtentwicklung von J. Althammer

02. November 2010, 14.19 Uhr

Vom Marktplatz zur Erlebniswelt – Ein kurze Abhandlung zur Entwicklung der Innenstadt und den sich daraus bietenden Möglichkeiten und Chancen.

Historisch betrachtet hat sich die Innenstadt von einem zentralen Ort, in dem Waren gelagert und verkauft werden (der klassische Marktstandort) zu einem Zentrum der Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen jeder Art (klassische Zentrumsfunktion) hin zu einem Erlebnisraum entwickelt.
So werden die Güter des täglichen Bedarfs, Lebensmittel, Möbel, Spielzeug, Eisenwaren, Zubehör, einfache Textilien usw. schon längst nicht mehr im Zentrum erworben. Für diese Bedarfsdeckung haben sich am Rande der Städte und im Speckgürtel eigene Zentren gebildet.

Was also bleibt die Funktion einer Innenstadt?

  1. Die Innenstadt hat sich im Handel zu einem Ort des „Lustkaufens“ entwickelt.
    Der überwiegende Teil des Einzelhandels verkauft Schuhe, Brillen, Bekleidung und Accessoires, für die sich der Weg durch viele Geschäfte lohnt, da man für sich das Beste finden möchte.
  2. Der zweite Pfeiler sind die vielen Dienstleister wie Ärzte, Rechtsanwälte, Friseure usw., deren Angebote noch im Innenstadtbereich konzentriert sind.
  3. Die vielen Ausgehmöglichkeiten und gastronomischen Angebote, die nur hier so geballt zu finden sind.

Die Kombination dieser drei Pfeiler macht zur Zeit einen Besuch der Innenstadt attraktiv.

Gefahren

Diese Funktionen werden aber gefährdet durch die Austauschbarkeit der Einzelhandelsangebote, die mit der Verbreitung von Ketten, die in jeder Stadt zu finden sind, und somit auch die Innenstädte immer austauschbarer macht.
Hinzu kommt die Entstehung einer innenstadtnahen „Shoppingmall“, die die Einkaufsfunktionen der Innenstadt im Kleinen abbildet, zudem über gute Zufahrten, sehr günstigen Parkraum und Wetterunabhängigkeit verfügt. (Die Citygalerie hat nicht ohne Grund den Standort am Rande der Innenstadt gewählt – sie nimmt bewusst die noch vorhandene Vorteile eines Stadtzentrums für Ihre Zwecke in Anspruch.)

Was macht die Innenstadt originär?

  1. Die bauliche Vielfalt, die Großzügigkeit des öffentlichen Raumes (Plätze, Parks usw.), die historische Schönheit ihrer Bauten und Anlagen und die Vielfalt der Quartiere
  2. Die vielen öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken, Museen, Kirchen, Theater, Ausstellungen usw.
  3. Die Erreichbarkeit durch den öffentlichen Nahverkehr
  4. Die Vielzahl der Angebote im Einzelhandel, der Gastronomie und im Dienstleistungsbereich

Wege zur Stärkung der Innenstadt

Wenn man diesen Gedanken folgt, ergibt sich daraus die Konsequenz, die Innenstadt zu einem Erlebnisraum auszubauen, der durch die Vielzahl seiner Möglichkeiten und Angebote und seiner Aufenthaltsqualität jedem anderen „Zentrum“ überlegen ist.
Die Innenstadt muss ihre Vorteile klar benennen und Sie dementsprechend ausbauen und vermarkten.

1. Erreichbarkeit und Parkkosten

Für die Innenstadt ist eine freie Zufahrt von entscheidender Bedeutung.
(Eine Tunnellösung die nur dem durchfahrenden Verkehr nützt, wäre hier sogar kontraproduktiv.
Die Parkplatzkosten müssen auf das Niveau der Konkurrenz (Citygalerie) gesenkt werden.
Die Kosten für den Parkraum werden im Falle der Citygalerie von den Nutzniessern – sprich den Geschäften und Dienstleistern – subventioniert. Es wäre nur logisch, dieses Modell auch auf die Innenstadt zu übertragen. Diese Subvention kann in Form von Ausgleichszahlungen an die Parkhausbetreiber, den Konkurrenzdruck durch ein städtisches Parkhaus oder ein Rabattsystem des Einzelhandels, der Gastronomen und der Dienstleister erreicht werden.

Zwischenfazit:
Ohne eine Zusammenarbeit der Nutzniesser der Innenstadt kann hier nichts gewonnen werden.
Wenn sich die Nutzniesser der Innenstadt weiterhin als Konkurrenten untereinander verstehen und sich nicht endlich als „Die grösste Shoppingmall der Stadt“ begreifen, wird auch weiterhin die Besucherzahl sinken und die Attraktivität
geringer werden.

2. Steigerung der Attraktivität, die fast nichts kostet

Durch Feste wie Max, La Strada, Rotes-Tor-Fest usw. wird gezeigt, welches Besucherpotential in der Innenstadt steckt und wie durstig die Mensch nach Erlebnissen ist. Diese Erlebniskultur muss ein wenig in den Alltag einfliessen, um die Innenstadt immer zum einzigartigen Erlebnis zu machen. Dafür sind viele kleine Schritte nötig, die auch nicht mit unhaltbaren Investitionen verbunden sind.

Erste Schritte
Großzügige Vergabe von öffentlichem Raum vor den Geschäften für Bänke, Waren, Angebote usw. (lassen Sie uns ein bisschen Istanbul in die Innenstadt holen).

Aufbrechen des Stadtmarktes
Warum können nicht – wie in München – an geeigneten Stellen flexible (adäquates Erscheinungsbild siehe München) klassische Obstkarren mit den Früchten der Saison den Raum in der Fußgängerzone, am Moritzplatz usw. beleben.
Warum können wir das Marktgeschehen nicht aufwerten, indem wir z.B. den Moritzplatz oder den Elias-Holl-Platz an bestimmten Wochentagen für Bauernmärkte zulassen.

Großzügige Vergaberegeln – für Strassenmusiker
Organisation von kleinen Musikveranstaltungen – da eine Jazzband, dort ein klassisches Streichquartett oder hier eine schöne Pantomime – diese Veranstaltungen könnten von der CIA und dem Kulturamt in Verbindung mit einzelnen Geschäften bzw. mit den diversen Musikschulen und Organisationen ohne großen Aufwand realisiert werden.

Einrichten von „Rastinseln“ – für die Innenstadtbesucher an vielen Stellen
(Alte Menschen und Familien mit Kindern brauchen Orte, an denen sie ohne Konsumzwangverweilen können)
Wenn die Sanierung der Fußgängerzone und des Königsplatz beschlossen ist, könnten schon im Vorfeld Strassenmöbel, Überdachungen und Begrünungen beschafft werden, die das Bild der Innenstadt sofort spürbar verbessern.

Sommeraktionen
z.B. nette Sommeraktionen wie das Auslegen oder Ausgeben von Kissen am Rathausplatz, auf denen die unvermeidlichen Jugendgruppen bequem sitzen können.

Großzügige Gestattung von Kleinkiosken – im öffentlichen Raum, die Würstchen usw. anbieten

Umsetzung des Konzepts „Leerstand schafft Leben“
Möglichst jedes leerstehende Objekt im Innenstadtbereich soll bis zu seiner Wiedervermietung bespielt werden z.B. mit Informationen zur Stadt, mit Infos zum Bahnpark, zum Theater usw.

Großzügige Förderung von temporären Kulturprojekten – siehe Jean Stein oder Muhaggel und Blutwurst
Hierzu könnten auch städtische Objekte (z.B. Alte Stadtmetzg usw.) unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden.

Entwicklung spannender Lichtkonzepte (dieses Thema wurde schon einmal angedacht und verschwand dann in einer Schublade). Bei den Stadtwerken ist hierfür ein sehr engagierter Spezialist vorhanden. Mit den neuen Lichttechniken könnte hier zügig ein Pilotprojekt gestartet werden (speziell hierzu wurde schon einmal an die Wegeführung CityGalerie–Innenstadt gedacht, an diesem Gespräch hat sich auch Frau Thiesenberg von der CityGalerie beteiligt und auch finanzielles Engagement in Aussicht gestellt).

Unterstützung und Ausweitung des 1000-Lichter-Konzeptes – vonseiten der Stadt bzw. der CIA (jedes Jahr ein starker Magnet zum Besuch der vorweihnachtlichen Zeit in der Innenstadt).

3. Infrastrukturmaßnahmen

Zu den laufenden Planungen möchte ich nicht weiter Stellung beziehen – ich denke, es steht fest dass der Königsplatzumbau, die Bahnhofssanierung und die Maximilianstraßenverbesserungen höchste Priorität besitzen müssen.

Hier einige Punkte, die zusätzlich in Angriff genommen werden sollten:
Die Situation Winter/Dominikanergasse – darf bei der Umgestaltung der Maximilianstraße nicht vergessen werden – auch hier muss eine Spielstraße entstehen und die hässliche Tonnensituation geändert werden. Dasselbe gilt für die Heilig-Grab-Gasse und den Milchberg. Über die Einbeziehung des Prediger Berges, der Spitalgasse und der Bäckergasse sollten zumindest planerische Ziele und Zeitfenster entwickelt werden.
Das Areal neben dem Judenberg – muss dringend in Angriff genommen werden.
Der Zustand des Hauptlaufweges zwischen CityGalerie und der Innenstadt ist eine Zumutung und besonders im Winter älteren Menschen nicht zumutbar.
Hier sollte mit Investoren und der WBG über den Ankauf des Geländes und eine öffnende Bebauung gesprochen werden und so schnell wie möglich eine Neubebauung des Areals in Angriff genommen werden. (Es ist eine Schande dass sich nach über 65 Jahren nach dem Ende des 2. Weltkrieges an unserer Prachtmeile noch immer ein Trümmergrundstück befindet – mit etwas gutem Willen sollte auch hier eine rasche Lösung gefunden werden können.)

Das Projekt „Römerzentrum“ – muss mit Hochdruck weiterverfolgt werden.
Dass in der ältesten Römerstadt Bayerns ein eher verstaubtes Museum, dessen Fußboden nachzugeben droht, die Darstellung unserer Geschichte übernimmt, ist dieser Stadt nicht würdig. Ein neues Römerzentrum mit angrenzendem archäologischem Park wäre ein weiterer Baustein für die „Erlebniswelt Innenstadt“ und würde den Aufenthaltswert erheblich steigern (laut Herrn Trepesch liegen hierzu schon Vorpläne für die Neugestaltung vor)

4. Marketing

Wir müssen unsere Innenstadt – „Die größte Shoppingmall Augsburgs“ – auch nach Außen vermarkten. Die Menschen im Umland und im weiteren Einzugsgebiet müssen auch wissen, was wir Ihnen zu bieten haben. Dazu müssen wir mit einer Stimme sprechen und unsere Vorzüge darstellen. Ein erster Schritt dazu wäre ein „Plan“ der Innenstadt, der alle Geschäfte, Dienstleister, Kultureinrichtungen und gastronomischen Einrichtungen aufzeigt – wir alle werden staunen, welchen Schatz an Angeboten und Möglichkeiten unsere Innenstadt bereithält.
Diese Aufgabe zu koordinieren, ist die CIA in ihrer jetzigen Form nicht in der Lage. Diese Aufgabe muss von einem eigenen Team in Angriff genommen werden.

In der Umbauphase der Innenstadt-Projekte muss ebenfalls mit gezielter Werbung eine positives Baustellenmarketing betrieben werden, welches den Menschen die Angst nimmt, in die City zu kommen. Vielmehr muss mit Aktionen, Rabatten,
Events die Innenstadt als lohnendes Ziel für einen Besuch beworben werden.

Weiterführend könnte eine gezielte Imagekampagne in unseren Konkurrenzstädten (München, Ulm, Kempten) neue Kunden in unsere Stadt locken.

Fazit

Unsere Innenstadt hat jede Chance, sich zu einem blühenden Oberzentrum zu entwickeln. Alle dafür notwendigen Einzelpunkte sind vorhanden oder können geschaffen werden. Es ist aber entscheidend, dass wir alle an einem Strang ziehen und diese Aufgabe zu einem Primärziel aller Beteiligten machen. Kleinkarierte Konkurrenzängste und Besitzstandsverteidigungen werden uns jedoch immer weiter zurückwerfen. Auch wirtschaftlich ist die Stärkung der Innenstadt existenziell für uns, denn immerhin ist die Innenstadt der größte Arbeitgeber dieser Stadt.

Ich hoffe, wir werfen alle Kleinlichkeiten über Bord und gestalten unsere Innenstadt zu dem, was sie ist – die tollste Erlebniswelt in ganz Schwaben.

Packen wir an – für Augsburg

Ihr
Johannes Althammer
Sprecher des Arbeitskreises Kultur und Urbanes Leben (PRO AUGSBURG)
Vorsitzender des Altstadt Augsburg Aktiv e.V.