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Altstadthäuser

Die Altstadt im Schatten des Gignoux-Hauses

Der Altstadtverein auf der AFA 2011

Der Altstadtverein war auf der AFA 2011 in der Sonderhalle "Vive La France" vertreten, um die spannende Historie des Gignoux-Hauses mit seinen hugenottischen Wurzeln zu erzählen. Themen war die Geschichte der Kattunfabrik mitten im früheren Handwerkerviertel und der Verfall des altehrwürdigen Hauses.

Freunde des Gignoux-Hauses

Um sich für die "Rettung" des Gignoux-Hauses mit Sanierung und kultureller Nutzung einzusetzen, bildete sich der Kreis "Freunde des Gignous-Hauses", für den während der AFA circa 1200 Freunde gewonnen werden konnten.

Wenn Sie auch ein Freund des Gignoux-Hauses werden oder mehr über das Rokoko-Haus erfahren möchten, schreiben Sie eine E-Mail an info(at)altstadt-augsburg.de.

Die Geschichte des Gignoux-Hauses und seine historisch-gesellschaftliche Bedeutung

Detailansicht aus dem Innenhof

Blick in den Innhof mit den nachträglichen Zusatzbauten für die Komödie

Schwere Rissbildungen im Fassadenstuck

Schwere Schäden im historischen

Mauerwerk

Plan des Gignoux Hauses. Der vordere Teil zeigt das den historischen Grundriss

Schwere Rissbildung in der Rokokofassade

Zeichen des fortschreitenden Verfalls

Zustand des Original-Treppenhauses aus dem 18. Jahrhundert

Die Hugenottenfamilie Gignoux, aus Nyon in der Nähe des Genfer Sees, wurde erstmals im Jahre 1590 erwähnt.
Ein Nachfahre dieser Familie, Jean François Gignoux, siedelte 1719 nach Augsburg über, wo er sich als hervorragender Kattun-Drucker etablierte.

1748 heiratete der Sohn Johann Friedrich Gignoux die 23-jährige Tochter Anna Barbara des Augsburger Goldschlägers Andreas Koppmair. Gemeinsam eröffneten sie eine der ersten Augsburger Kattunfabriken.

Nach dem Tod ihres Mannes beauftragten Anna Barbara Gignoux, bekannt als kunstsinnig und liberal, und ihr zweiter Ehemann Georg Christoph Gleich 1764 den Architekten Leonhard Christian Mayr mit der Errichtung des Gignoux-Hauses.  
Es entstand ein palaisartiges Schmuckstück im zeittypischen Stil des Rokoko.

Die historische Besonderheit
Anders als in dieser Zeit entstandene Fabrikbauten wurde das Gignoux-Haus innerhalb der mittelalterlichen Augsburger Stadtmauern errichtet und vereinigte Wohn- und Arbeitsbereich – wie ein althergebrachter Handwerksbetrieb – noch unter einem Dach.  Die Gignoux beschäftigten 1790 rund 500 Arbeiter und führten zeitweise eine der größten Kattunmanu-fakturen in Augsburg. Das Gignoux-Haus trug maßgeblich zum Aufstieg Augsburgs zur führenden bayerischen Textilstadt bei.

Die Architektur
Der Baukörper besteht aus zwei dreigeschossigen, rechtwinklig zueinander stehenden Gebäudeflügeln mit französischem Mansarddach und der historischen Fassade mit Rocaillestuck von Franz Xaver Feichtmeier. Auffällig platziert, am kurzen Gebäudeflügel, befindet sich ein polygonaler Erker. Das korbbogige Torportal wird von ionischen Pilastern flankiert und ist von einem Dreiecksgiebel mit Ziervasen bekrönt.

Die Neuzeit
1805 wurde die Kattunmanufaktur verkauft und war von da an im Besitz verschiedener Brauereien und Gastwirte. Seit dieser Zeit besteht die Gaststätte „Blaues Krügle“. Sie verfügte über einen Saalbau, der bis zu 600 Personen Platz bot. Heute firmiert das Lokal unter dem Namen „Al Teatro“.

Der Saal wurde nach dem 2. Weltkrieg die Ersatzspielstätte für das zerstörte Stadttheater. Darin fand am 10. Oktober 1945 die erste Vorstellung des Schauspielensembles statt. Mit dem Ende der Schauspielstätte 2010 ist die Zukunft des Gignoux-Hauses wieder ungewiss.

Madame Gignoux und ihr französischer Salon
Die Fabrikantin feiner bedruckter Baumwollstoffe hatte die nötigen Mittel, um weit gereiste und verwöhnte Besucher in ihrem Salon zu empfangen.

Zum Namensfest seiner Gönnerin schrieb ihr der Organist, Komponist und Journalist Christian Friedrich Daniel Schubart eine Huldigung. Auch der legendäre Liebhaber schöner Frauen Giacomo Casanova war ein gern gesehener Gast während seines Aufenthaltes in Augsburg. Noch heute zeugt der Prunkraum im 2. Stock des Palais von der Pflege der Künste, insbesondere der Musik, und von der Feinsinnigkeit der Madame Gignoux.

Quellen: Franz Häußler, Eva Maria Knab, Gustav Euringer, Wikipedia